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I. nter S. ex

Tadashi Endo und Mamu Dance

Frankfurt Premiere

Tadashi Endo & Mamu Dance Theatre

»I. nter S. ex«

Butoh-Tanz-Theater

Freitag, 12.2.10 20.00 Eur 15/11
Samstag, 13.2.10 20.00 Eur 15/11

»Wenn ich tanze, kann ich nicht sagen, ob ich weibliche oder männliche Bewegungen ausführe. Obwohl ich manchmal Frauenkimonos trage, kann ich nicht sagen, dass ich mich als Frau fühle oder als verkleideter Mann. Im Tanz kann ich zuweilen nicht einmal sagen, ob ich nun Mensch bin oder sonst irgendein Lebewesen. Es geht doch eigentlich um das Leben mit all seinen Facetten. Warum kann man nicht alle Daseinsformen akzeptieren: Tiere, Pflanzen, Menschen, weiblich, männlich, androgyn und intersexuell. Alles Leben befindet sich doch immer im IN BETWEEN im MA!« (Tadashi Endo)

Tatsächlich weiß, wer Tadashi Endo kennt, dass das gleichzeitige Vorhandensein unterschiedlichster Merkmale - mögen diese sich nun auf Geschlecht, Art, Charakter, Situation oder Zustand des tanzenden Wesens, Tadashi Endo, beziehen - sowie die Metamorphose von einer Wesenhaftigkeit in eine andere, sei es in Zeitlupe oder während eines Augenblicks, zum Wesenskern von Tadashis Tanz gehört.

In »I. nter S. ex.«, einer Produktion mit dem MAMU DANCE THEATER wird die Intersexualität jedoch erstmals herausgegriffen und thematisiert. Sofern Sie jetzt beim Lesen erfahren, dass allein in Deutschland jährlich ca. 1800 bis 2400 Kinder mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen geboren werden, werden Sie ermessen, wie tabuisiert diese Thematik bei aller sexueller Freizügigkeit immer noch ist.

Was macht das Männliche bzw. Weibliche im Menschen aus? Sind nicht in jedem von uns genetische Vorzeichen beider Geschlechter vorhanden? Was unterscheidet Männer und Frauen? Was eint sie? Die Zivilisation lehrt uns eine steife Verhaltenstypisierung anzuerkennen, doch erst die Pubertät ordnet natürliche Verhaltensmuster der einen oder der anderen Seite zu. Was ist mit denjenigen unter uns, deren Entwicklung genetisch wie dem Verhalten nach unentschieden verläuft?

Wenn auch im Butoh-Tanz verwurzelt, bleibt Tadashi Endo, als in diversen Stilen ausgebildeter Tänzer, dem Butoh nie streng verhaftet. In der Zusammenarbeit mit den TänzerInnen des MAMU DANCE THEATER erstreckt sich das Tanz- und Bewegungsrepertoire in dieser Produktion über Butoh, Contemporary Dance, Modern bis hin zur Pantomime.

»Zusammengerollte Gestalten ertasten ihren Körper, erfahren ungelenk und tapsig ihre eigene Körperlichkeit. Sie lachen, stöhnen, rollen und springen, immer im Augenblick gefangen. Unweigerlich fragt sich der Zuschauer nach Unterschieden in den Bewegungen der Tänzerinnen und Tänzer, von Mann und Frau - doch lassen sich diese erkennen? An welchen Kriterien macht unsere Gesellschaft die Geschlechtlichkeit fest? Hier macht das Ensemble mit eindrucksvoller Klarheit deutlich, dass unser Geschlechterverständnis kaum mehr ist als das Produkt unserer eigenen Sozialisierung. Diese Botschaft dramaturgisch eindrucksvoll und tänzerisch hochwertig in Bewegung umgesetzt zu haben, verdient großen Respekt und macht die kommunikative Ausdruckskraft der Bewegungsästhetik des Butoh unmittelbar erfahrbar.«(Hannoversche Allgemeine)

»Tadashi Endo teilt sich mit Bewegungen mit. Die von ihm gewählte, ganz individuelle Kommunikationsform, eine Variation der japanischen Butoh-Tanzkunst, erfordert extreme Körperbeherrschung. Denn sie vollzieht sich meist in atemberaubender Langsamkeit, scheint gar nicht zu passieren. Erst nach Minuten steigt dem Zuschauenden ins Bewusstsein, dass der Körper vor ihm die Stellung verändert hat, die Nase in eine andere Richtung zeigt, der Mund offen steht.« (FR 5.6.99)

»Tadashi Endo hebt an zu jenem stummen Schrei, ausgestoßen aus einem zahnlosen Mund, der nicht den Schmerz eines bestimmten Menschen meint, sondern den der gesamten Kreatur. Doch damit ist das gängige Butoh-Vokabular - geboren aus existentieller und spiritueller Not in hochtechnologisierten Zeiten - fast schon erschöpft. ... Der oftmals pathetischen Schwere des Butoh-Tanzes schlägt Endo ... ein Schnippchen. Seine filigranen Gesten und Bewegungen, minutiös abgezirkelt, bewusst kalkuliert und meisterhaft beherrscht, verraten einen Tänzer, der am Leben weit mehr interessiert ist als am Tod.« (FAZ 5.6.99)

»... Und selbst als Endo mit Hilfe von zwei Mehlhaufen Atompilze aufsteigen lässt, hat »One-Nine-Four-Seven« nichts Spektakuläres. ... Denn Endo, ein Meister seines Fachs, läßt den expressiven Butoh-Tanz zarte Blüten treiben, kultiviert das Rohe zu einer Lehrstunde in Zurückhaltung.« (Stuttgarter Nachrichten 25.7.98)

»In seiner Tanz-Performance findet der Künstler ausdrucksstarke Bilder für den Wunsch nach Besinnung und nach Selbst-Bewusstwerdung. Und er schlägt Brücken zwischen östlicher und westlicher Kultur.« (Esslinger Zeitung 23.7.98)

»Je länger ich von meiner Heimat fern lebe, desto mehr fühle ich meine Wurzeln. Japan - immer fern, trägt mich doch der japanische Mutterboden« (Tadashi Endo)

Regie, Choreographie und Solotanz: Tadashi Endo
The Mamu Dance Theatre: Will Dickie (UK), Benjamin Jarrets (USA), Hota Kanzeon(JP), Natsuko Kono(JP), Midoh Ohmura(JP)
Fotos: Sabine Lippert

Tadashi Endo und Mamu Dance Tadashi Endo und Mamu Dance