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Hans - ein Junge im Gallus

Gallusviertel, Institut für Stadtgesschichte Galluswarte 1940, Institut für Stadtgesschichte Hans Frick

Erinnerung

»Hans - ein Junge im Gallus«

nach den Erinnerungen von Hans Frick

Freitag, 27.05.11 19.00 frei

Mit der sporadischen Veranstaltungsreihe »Erinnerung« möchte das Gallus Theater die jüngere Geschichte des westlichen Industrieviertels Gallus nachzeichnen. Unser Theater mit seiner Spielstätte in den Adlerwerken, der einzigen KZ-Außenstelle in Frankfurt, hat eine dauerhafte besondere Verpflichtung an die Vernichtung von 528 Häftlingen in unserem Gebäude zu erinnern.

In dieser Veranstaltung wollen wir uns dem Schriftsteller Hans Frick widmen, der seine Kindheit im Gallus verbracht hat und in seinem Buch »Die blaue Stunde« seine Erlebnisse der letzten Kriegstage und der Eroberung durch die Amerikaner niedergeschrieben hat. Er war Augenzeuge der Erschießung des jungen Flüchtlings aus dem KZ-Adlerwerke, zu dessen Gedenken heute ein kleiner Platz vor den Adlerwerken benannt ist.

Das Buch von Hans Frick wurde 1985 von dem iranischen Regisseur Sohrab Shalid Saless unter dem Titel »Hans - ein Junge in Deutschland« verfilmt. Gespeist von seiner eigenen Biographie, versteht sich die Geschichte als Würdigung für Fricks 1958 verstorbene Mutter. Beschimpft und angefeindet, weil sie ein uneheliches Kind mit einem jüdischen Kunsthändler hatte, wächst Hans Frick mit der Angst auf, die Nazis könnten ihn jederzeit abholen. Der Film zeigt in langsamen ruhigen Szenen die angsterfüllte, lähmende Atmosphäre der letzten Kriegstage auf, in denen der Wert eines Menschenleben schwand und viele nur noch auf das Ende warteten. Doch auch die Befreiung setzte der Boshaftigkeit der Menschen keine Grenze und der Überschwang der Freiheitsgefühle führte zu harten Überraschungen.

Nach Kriegsende hielt sich Hans Frick mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser und begann gleichzeitig, schriftstellerisch tätig zu sein. Mitte der 1960er Jahre wurde er freier Schriftsteller und lebte seit Ender der 1970er Jahre in Portugal. Am 3. Februar 2003 starb Hans Frick in einem Krankenhaus in Huelva, Spanien.

Thomas Sock, Stadtteilhistoriker und Mitglied der Geschichtswerkstatt Gallus, wird eine Einführung zum Thema vortragen und den Kontext der Geschichte erläutern. Er zeichnet den Lebensweg Fricks nach, berichtet von der Machtergreifung der Nazis im Arbeiterviertel Gallus und benennt die Profiteure der Arisierung im Gallus.

Karin Frick, die Witwe von Hans Frick, wird an der Veranstaltung teilnehmen und Fragen von Zuschauern beantworten.

Mit: Thomas Sock
Fotos: Institut für Stadtgeschichte