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Kostenstelle 6391 / Hausapparat 240

Adlerwerke
Gedenken an den 65. Jahrestag des Todesmarsches

»Kostenstelle 6391 / Hausapparat 240«

KZ-Außenlager Katzbach in den Frankfurter Adlerwerken

Mittwoch, 24.3.10 - 19:30 frei

Am 24. März 1945 gegen 22 Uhr gibt Gauleiter Sprenger den Räumungsbefehl für Frankfurt am Main. Neun Tage davor sind bereits von den Gleisanlagen der Adlerwerke zehn bis zwölf Waggons mit rund 530 todkranken und sterbenden Häftlingen aus den Adlerwerken nach Bergen-Belsen abtransportiert worden. Jetzt folgt die endgültige Räumung des KZ Außenlagers Katzbach in den Adlerwerken. Etwa 350 Häftlinge werden, eskortiert von der SS, am Main entlang, Richtung Osten getrieben. Hinter den letzten Häusern von Fechenheim fallen die ersten Schüsse. Es ist der Auftakt zu einem Todesmarsch.

65 Jahre danach wollen wir an das Leiden der Menschen erinnern und der Toten gedenken. Wir wollen die Erinnerung daran wachhalten, dass sich in unserem Stadtteil, dem Gallus, ein KZ-Außenlager befand, dessen Verhältnisse die Häftlinge als weit schlimmer empfanden als ihre Ausgangslager Dachau, Buchenwald und Ausschwitz-Jawischowitz.

Kostenstelle 6391, Hausapparat 240 - das KZ-Außenlager war in die Betriebsabläufe der Adlerwerke in scheinbar perfekter Normalität integriert. Dies war die Voraussetzung für das Zusammenwirken von Fertigung und Gefolgschaftsamt der Adlerwerke, der SS und zahlreicher Behörden, bei der Vernutzung von KZ Häftlingen bis hin zum Massenmord.

Zwischen September 1944 und März 1945 wurden 528 Opfer von Hunger, Krankheiten und Gewalt auf den Hauptfriedhof transportiert und 245 todkranke Häftlinge wegen Arbeitsunfähigkeit abgeschoben. Das KZ-Außenlager in den Adlerwerken hatte nicht nur die höchste Sterblichkeit unter allen 28 KZs und KZ-Außenlagern in Hessen, sondern auch die höchste Todesrate von allen Fabrikkommandos des KZ Natzweiler. In der Nachbarschaft war die Existenz des Lagers ein öffentliches Geheimnis. Einige Anwohner pflegten Umgang mit den SS-Bewachern oder beteiligten sich an der Jagd auf entflohene Häftlinge. Andere zeigten ihr Mitgefühl.

Jahrzehntelang wurde das KZ-Außenlager »Katzbach« aus der Stadtgeschichte systematisch verdrängt und wird bis auf den heutigen Tag nur allzu gerne verschwiegen. Ernst Kaiser und Michael Knorn haben die verschüttete Geschichte des Lagers ausgegraben, in dem Buch »Wir lebten und schliefen zwischen den Toten« festgehalten und den Kontakt mit noch lebenden Häftlingen hergestellt.

Wir laden zusammen mit der Arbeiterwohlfahrt Ortsverein Gallus, den christlichen Kirchengemeinden, dem Verein Leben und Arbeiten im Gallus und in Griesheim (LAGG) zum Gedenken an diese grauenhaften Geschehnisse ein. Ernst Kaiser und Michael Knorn werden dazu aus ihrem Buch lesen und berichten. Elvira Plenar wird den Abend musikalisch begleiten.

Mit: Ernst Kaiser, Michael Knorn, Elvira Plenar u.a.