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Olgas Raum

 Domsel, Richter, Hebold

Daedalus Company

»Olgas Raum«

von Dea Loher

Mittwoch,   6.5.15 20.00 Eur 16/11
Donnerstag, 7.5.15 20.00 Eur 16/11
Freitag,    8.5.15 20.00 Eur 16/11
Samstag,    9.5.15 20.00 Eur 16/11
Im Anschluss an die Vorstellung am Donnerstag, den 07.05., findet ein Publikumsgespräch mit Dr. Vedrin Sahovic von der Amnesty International-Arbeitsgruppe gegen Folter und Ensemble-Mitgliedern statt.

Die Daedalus Company hat mit Dea Lohers »Olgas Raum« im März bereits die neunte Produktion bei uns herausgebracht.

»Olgas Raum« ist das erste Bühnenstück von Dea Loher, das sie 1991 nach einem einjährigen Aufenthalt in Brasilien schrieb und für das sie im selben Jahr den Dramatikerpreis der Hamburger Volksbühne erhielt. Loher zählt heute zu den meistgespielten Bühnenautoren unserer Zeit und erhielt vielfältige Auszeichnungen. Sie ist die amtierende Stadtschreiberin von Bergen-Enkheim in Frankfurt - es ist der renommierteste Stadtschreiberpreis im deutschsprachigen Raum. Mit diesem Stück tastet sich die Autorin Dea Loher an die deutsche Frauenfigur der Olga Benario (1908 - 1942) heran, die sowohl kommunistische Ikone, als auch Mutter, Geliebte, Kameradin, politische Intellektuelle und Revolutionärin war und heute u.a. in Brasilien und im ostdeutschen Raum noch ist.

»Ich spreche mit mir selbst, um nicht verrückt zu werden. Ich zeige mir Bilder, erzähle mir Geschichten. Hier im Kopf sitzt mein Erinnerungsalbum. Sich jeden Tag an ein Ereignis erinnern und es genau rekonstruieren.« (Olgas Raum, Dea Loher)

Die halbjüdische Kommunistin Olga Benario befindet sich im Frauen-KZ Ravensbrück, es ist 1942 und der 2. Weltkrieg tobt. Benario rückerinnert sich an ihre Vergangenheit als inhaftierte kommunistische Revolutionärin im brasilianischen Gefängnis. Die Revolution, für die sie 1935 gemeinsam mit dem Anführer Luís Carlos Prestes gegen Diktator Vargas kämpfte, war gescheitert und beide wurden inhaftiert. Doch sie bildeten nicht nur eine politische Doppelspitze, bei ihrer gemeinsamen brasilianischen Mission waren sie ein Liebespaar geworden.

»Olgas Raum« untersucht die widersprüchliche Beziehung zwischen Olga Benario zu ihrem Folterer Filinto Müller - einem Polizeichef Brasiliens und zu ihren Mitgefangenen in der Gefängniszelle: Ana Libre und Genny. Es zeigt wie Olga Benario ihre Kraftpotenziale mobilisiert, um zu überleben und scheinbar ausweglosen Situationen ungebrochen ihre Stirn bietet. Olga erleidet Realitätsdiffusionen als Folge der erlittenen Folter. Um zu überleben versucht Olga, ihre eigene Biografie als "Landkarte ihrer Identität" wiederherzustellen, da sie immer wieder in Gefahr schwebt, diese zu verlieren. Denn in ihrer Vergangenheit als frei agierende Revolutionärin musste sie permanent untertauchen, täuschen und tarnen und in den Zellen als inhaftierte politische Gefangene jahrelang physische und psychische Folter erleiden. Benarios Persönlichkeit wird in »Olgas Raum« aus drei unterschiedlichen Perspektiven dargestellt: als Revolutionärin in einem sozialromantischen Heldenepos, als intellektuell hochpolitische Kämpferin und schließlich als Frau und Geliebte.

»Die Besetzung des Stücks über politischen Kampf und Folter bot konzentrierte Leistungen, und Regisseurin Busch ließ Sprache und Drama effektvoll für sich arbeiten....Loher lotet den enormen inneren Kopf-Raum Olgas in der Haft aus...Dem geschundenen Körper brennt sich Geschichte in die Haut....Das Stück lohnt den Besuch sehr.« (Marcus Hladek, FNP, 21.3.15)

»Dea Loher erzählt .. in "Olgas Raum" die politische Lebensgeschichte der jüdischen Kommunistin Olga Benario. In ihrer Zelle im KZ Ravensbrück blickt sie zurück auf ein Leben im Zeichen von Widerstand, Folter und innerer Behauptung. Zwischen Brasilien - sie ist die Geliebte des Revolutionsführers Luis Carlos Prestes gewesen - und Nazideutschland, 1942 wurde sie im Alter von 34 Jahren in der NS-Euthanasieanstalt Bernburg vergast.....Wesentlich trägt den nicht ganz zweistündigen inneren Monolog mit mehreren Stimmen die unprätentiös spielende, barfüßige Birte Hebold als Olga, die Dialoge mit den Mitgefangenen Genny und Ana Libre- Naja Marie Domsel und Jule Richter- .erinnern bisweilen an den Chor des antiken Dramas. Keine Spur von Knast und Lagerklischee. Tino Leo als Olgas Peiniger und Polizeichef Filinto Müller....eine sadistisch gewalthaltige Spannung baut sich fein auf, im Sinne eines Psychogramms der Folter. Eine diskrete Angelegenheit ist dieser Abend. ...Es gelingt der Regisseurin, eine Atmosphäre vielsagender Andeutung zu schaffen, in einer dienlichen formalen Strenge.« (Stefan Michalzik, FR, 24.3.15)

»Das Stück vermeidet die Ambition, die Extreme der Haft abzubilden, es will die Ausnahmesituation spürbar machen. Das beginnt mit der schrägen Wand, an der die Protagonisten einen Teil ihres Gleichgewichts abgeben. Das setzt sich fort mit der Isolation, die ein durchaus gefährliches Redebedürfnis auslöst. Und das wird gesteigert im extremen Lichtwechsel aus klaustrophoibischer Dunkelheit und kaltem Blendlicht. Wie weit psychischer und körperlicher Druck bis zur Kapitulation gesteigert werden können, das erspart die Regie der Heldin und dem Publikum.« (Jürgen Richter FAZ, 10.4.15)

»Man meint, bei dem von vielen Monologen wie Säulen getragenen Stück einer griechischen Tragödie beizuwohnen. Eine blassgrüne Bande, wie man das vom Eishockey kennt, durchzieht leicht schräg die leere Parkettbühne des Gallus-Theaters. Vor dieser Bande müssen wir uns »Olgas Raum« denken (...) Hinter der Bande, leicht erhöht und schwierig zu ersteigen, beginnt das Reich der Willkür und Wissbegier Filino Müllers, das Reich des Grauens und der Gräuel, die aber weder Lohers Text noch Buschs Umsetzung auszumalen mühen. Dunkel und düster, nur von gleißendem Verhörscheinwerfern schmerzvoll durchbrochen, spürt man die virulente Gewalt und psychischen Strapazen der Insassinnen zur Genüge (...) Man ist berührt und fassungslos.« (Winnie Geipert, Strandgut Mai 2015)

»„(...) Lohers Texte gehen unter die Haut, weil sie nichts unausgesprochen lassen, weil sie menschliche Brutalität und Gewaltbereitschaft ungeschminkt im nüchternen Berichtsstil aufzeigen, was den Schrecken noch erhöht. Die Leistung des professionellen Ensembles war großartig, die jungen Darsteller überzeugten durch ihr intensives Spiel und zogen das Publikum durch direkten Blickkontakt in ihren Bann. Begeisterter Applaus.« (Karoline Ohlmeier, Der Bergen-Enkheimer, 23.3.15)

Mit: Birte Hebold (Olga Benario), Jule Richter (Ana Libre), Tino Leo (Filinto Müller), Naja-Marie Domsel (Genny)
Regie: Regina Busch
Bühne und Kostüme: Johanne Schröder
Grafik-Design: Agnes Meyer-Wilmes
Sound/Fotos: Frank Marheineke
Licht: Jan Hartmann, Thomas Wortmann

Karten: Voll 16,00 Euro
Karten: Erm. 11,00 Euro