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Marleni

Theatercompagnie Tagträumer

»Marleni«

Theaterstück von Thea Dorn

Freitag, 23.01.15 20.00 Eur 16/12
Samstag, 24.01.15 20.00 Eur 16/12

Berlin 1918: Die Kaiserzeit geht unter. Zwei junge Frauen, die sich nur flüchtig begegnen werden, träumen den gleichen Traum vom Erfolg. Marlene Dietrich vor - Leni Riefenstahl hinter der Kamera.

Berlin 1992. Es ist 2 Uhr nachts. Absolute Stille. Plötzlich das Licht einer Taschenlampe, lautes Atmen, die Stimme einer Frau - ist es ein Einbrecherin? Es ist Leni Riefenstahl, die über den Balkon in die Wohnung der Dietrich eindringt. Sie eröffnet ein Angebot, das ihrer beider Leben noch einmal von Grund auf erneuern soll. »Wir werden ein Werk schaffen, wie nur wir zwei es schaffen können. Die Welt kann es sich nicht leisten, auf zwei Frauen wie uns zu verzichten.«

Die fiktive Begegnung der beiden Ikonen des 20. Jahrhunderts mündet in einen schonungslosen Schlagabtausch. Wer war die ideale deutsche Künstlerin? Die Faschistin oder die Vaterlandsverräterin?

Die Presse schrieb:»Auch wenn der Titel 'Marleni' niedlich klingt: Dahinter verbirgt sich eine Wortschlacht. Denn mit den Diven prallen gegensätzliche Haltungen und Menschen aufeinander. Sie schimpfen sich 'Nazinutte' und 'Amihure', streiten, diskutieren über Weiblichkeit und Mutterrolle, Altern, Unsterblichkeit, Kunst, Sex und Männer.....Doch unter Wortschlacht und Eitelkeiten, so zeigen Brendel und ihre Darstellerinnen, schlummern enttäuschte Hoffnungen, gescheiterte Träume, Gefühle des Unverstanden- und Vergessenseins: die Vergänglichkeit des Ruhms....So werden die beiden Mythen auf ein menschliches Normalmaß zurückgestutzt.« (FNP)

»Veronika Brendel hat sich dem auf Bühne und Leinwand gerne gepflegten Sujet der welken Diva und des vergessenen Stars mit sicherem Instinkt angenommen. Ingeburg Amodé und Uta Eckhardt fesseln als gespenstisches Paar, dessen Erfolg und Glamour ein letztlich verpfuschtes Leben verdecken. Effektvoll werden sie und das spartanische Interieur gemeinsam oder einzeln herausgeleuchtet - wie es das Kino im Wechsel von Totale und Großaufnahme praktiziert.« (FAZ 4.3.14)

Das Theaterstück »Marleni« von Thea Dorn wurde im Jahr 2000 am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg uraufgeführt. Es handelt von der fiktiven Begegnung zweier Künstlerinnen, die beide - fast im gleichen Jahr in Berlin geboren - doch sehr unterschiedliche Wege durch das 20. Jahrhundert gingen. Das Stück birgt nicht nur Zeitgeschehen, sondern setzt sich mit Politik und der Rolle in der Kunst auseinander.

Marlene Dietrich folgte als Schauspielerin ihrem Entdecker, dem Regisseur Sternberg nach Hollywood. Sie wendet sich aus der Ferne gegen das nationalsozialistische Regime in Deutschland; nimmt die amerikanische Staatsbürgerschaft an und begleitet in den letzten Kriegsjahren als Sängerin die US-Truppen in Europa.

Leni Riefenstahl bleibt in Deutschland und verwirklicht - vor allem mit finanzieller Unterstützung der Nazis - ihre filmerischen Träume. Berühmt wird sie durch ihren »Olympia« - Film.

In der Nachkriegszeit wird beiden ihr Umgang als deutsche Künstlerinnen mit dem Nazi-Regime zum 'Stolperstein' für die weitere Karriere. Marlene Dietrich möchte wieder in ihrer 'Heimat' arbeiten, aber man empfängt sie als 'Amihure'. Die Bezeichnung 'Nazinutte' verfolgt Leni Riefenstahl.

Die Schuldfrage »Wie soll sich ein Künstler unter einem totalitären Regime verhalten?« verschwindet nicht mit der Aufarbeitung des letzten Jahrhunderts, sondern taucht auch heute dort auf, wo eine totalitäre Staatsmacht künstlerisches Schaffen unterdrückt oder für ihre Propaganda benutzt. Es geht um das künstlerische Dilemma der finanziellen Abhängigkeit und der künstlerischen Schaffensfreiheit.

Regie: Veronika Brendel
Darstellerinnen: Ingeburg Amode (Marlene) und Uta Eckhardt (Leni)
Lichtkonzept: Johannes Schmidt
Kostüme: Marieluise Macey
Bühnenbild: Veronika Brendel
Fotos: Sabine Lippert

Karten: Voll 16,00 Euro
Karten: Erm. 12,00 Euro
Karten: Schüler 8,00 Euro