Gallus Theater Programm: Günes Theater mit Tee oder Kaffee?

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Tee oder Kaffee?

Günes Theater 

Günes Theater

»Tee oder Kaffee?«

Musiktheater

Freitag, 04.03.11 20.00 Eur 14/10

»Tee oder Kaffee?« - Sie betreten an diesem Abend eine Bühne, die keine ist - sie betreten ein traditionelles Kaffehaus. Der Duft von starkem arabischem Mokka hängt über dem Raum wie ein leichter, seidener Vorhang.

Seit 1511 in Mekka das erste Kaffeehaus entstanden ist, migrieren Kaffeebohnen und Teeblätter durch die Welt - zwei nomadische Genussmittel, deren kommunikationsfördernde Natur auf geheimnisvolle Weise kulturelle Inhalte von Land zu Land befördern kann.

Die kulturellen Inhalte sollen sich bei der Performance »Tee oder Kaffee« konkret aus der Summe der Erinnerungen, der Erfahrung und Sehnsüchte jener ergeben, die sich bei der Performance im Teehaus einfinden.

So wie wir im wirklichen Leben dem regen, hektischen Treiben der Welt bei einem Kaffee für wenige Minuten wie ein Zuschauer begegnen können, manifestieren sich im Raum kurze Szenen, wie Traumsequenzen einer entrückten Realität, die musikalisch von den hypnotisierenden Klängen des Makam begleitet werden. Die Kunst in der Makam-Musik besteht in der Balancierung zwischen melodisch vorgegebenen Strukturen und persönlichem Einfallsreichtum. Diese Musiktradition, die seit über 700 Jahren die feinsten Regungen der Seele zum Ausdruck bringen soll, fliesst zusammen mit der Performance auf der Bühne und eröffnet freie Räume, in die sich der erstaunte Besucher des Kaffehauses hineinversetzen kann.

Bewußt wird an diesem Abend auf Klischees und feste Strukturen verzichtet zugunsten einer offenen, kommunikationsfördernden Atmosphäre, in der Fantasie und Realität im Dunst von Wasserdampf untrennbar werden. Plastisch wird dies durch die Technik des "ebru" dargestellt, bei der Tintentropfen im Wasser durch ein Zufallsprinzip Geschichten auf riesige Papierfetzen schreiben.

Wenn wir mit einem Fremden Tee oder Kaffee trinken tauschen wir automatisch unseren kulturellen Background aus. Dass dieser Austausch nicht nur ein passives Kennenlernen ist, sondern der Prozess einer neuen Erschaffung von gemeinsamer Kultur, steht im Mittelpunkt der Performance von "Kaffee oder Tee". Es ist die gemeinsame Erfahrung, die Wünsche, das Scheitern und die Freude am Genuss, die hier beleuchtet werden und in denen sich ein jeder Besucher wiedererkennen kann.

Aus einer Inszenierungsarbeit des im Gallus-Viertel beheimateten »Günes Theater«, das bei uns bereits zwei Theaterstücke herausgebracht hat (zuletzt die asiatischen Bakchen) ging 2004 die eigenständige multi-nationale Musikgruppe »Günesli Sarkilar (Sonnige Lieder)« hervor, die bereits dreimal ihre mehrsprachige musikalische Reise »Über anatolische Straßen« bei uns präsentierte.

Nun hat das Günes Theater ein neues Projekt entwickelt zusammen mit deutschen und türkischen Schauspielern und Musikern unter dem Titel »Tee oder Kaffee«. Dieser Abend feierte Ende Januar erfolgreich Premiere und wird nun noch einmal wiederaufgenommen.

»Die Inszenierung von Müjdat Albak bezieht bei der Premiere im Gallus Theater alle Anwesenden ein, dehnt die Spielebene aus bis auf die Zuschauerränge, von denen aus immer wieder neue Gelegenheitsgäste zu den Tischen vor dem Tresen mit einer Ansammlung von Kannen, Mühlen und Samowaren vorstoßen. Jeder bringt eine Geschichte mit in das Lokal – die Frau etwa, die mit ihrem Sohn über das abgewehrte Getränk wortlos eine körperliche oder seelische Notlage kommuniziert. Oder der manische Typ, der sich mit der Bestellung das Recht auf eine Verweildauer und vielleicht die Aussicht auf Lösung eines unausgesprochenen Problems erkauft. Und was ist mit dem Mann, der sich hinter seine Überlegungen und Notizen verbarrikadiert und dabei die Chance verpasst, die eben an seinem Tisch Platz genommen und alsbald die Flucht ergriffen hat? Am Rand des Dramas spielt eine Handvoll Musiker auf Piano, Cello, Handtrommeln und der Hirtenflöte Kaval melancholische Melodien. Die Makam-Musik, im arabisch-osmanischen Raum vom 12. bis 18. Jahrhundert verwurzelt, wirkt mal meditativ und mal suggestiv, gibt für das Geschehen dezent den Rhythmus aus dem Hintergrund oder dringt mit getragenem Klagegesang von Liebe, Leidenschaft und den dazugehörigen Enttäuschungen in den Vordergrund. Mit dem Duft von Mokka, mit einem von Dunst getönten Halblicht vermischen sich die sanften aber bestimmenden Töne zu einer Stimmung, in der Dramen beschworen und versöhnlich aufgenommen werden und man sich auch mit der Dauer des Spiels einem Rhythmus der aufgehobenen Zeit hingibt. «. JÜRGEN RICHTER (FAZ)

Konzept und Regie: Müjdat Albak
Cello: Anka Hirsch
Kaval: Özgür Murat
Klavier: Florian Wäldele
Percussion: Florian Drefler
Gesang: Tülay Yongaci
Schauspieler: Cüneyt Sezer, Kemal Dincer, Hüseyin Honca, Diba Yurtesever, Kai Schmitz, Müjdat Albak
Malperformance: Deniz Alt

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