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Oblomow - zwei Lieben und ein Traum

E9N

Ensemble 9. November

»Oblomow - zwei Lieben und ein Traum«

nach Alexandrowitsch Gontscharow

Donnerstag, 1.5.14 - 20:00 Eur 16/12
Freitag,    2.5.14 - 20:00 Eur 16/12
Samstag,    3.5.14 - 20:00 Eur 16/12
Donnerstag, 8.5.14 - 20:00 Eur 16/12
Freitag,    9.5.14 - 20:00 Eur 16/12
Samstag,    10.5.14 - 20:00 Eur 16/12
Dauer 90 Minuten

»Oblomow« von Alexandrowitsch Gontscharow (russischer Autor), ist wohl eher eine große, sein Leben begleitende, Erzählung als ein Roman. In ihrer Gänze erst 1859 erscheinend , besteht aus drei, im Abstand von jeweils einem Jahrzehnt erschienenen Teilen. In circa 600 Seiten entfaltet sie, mit der Liebe des Langsamen, die Langsamkeit der Liebe, die poetische , als auch die prosaische. Im Staub, verlangsamter Materie, legt sich zur Ruhe die unruhige Zeit, weilt lange dort. Wie das gefallene Laub im Herbst der Bäume vom Grün der Jahre träumt, erzählt flüsternd der Schlaf im Traum dem Oblomow vom Oblomow. Im Schlafrock erst kommt der eilende Gehrock zur Ruhe, ein Lob dem Schlafrock. Besucher wirbeln den Staub auf, machen sich jedoch nach kurzer Morgenvisite wieder aus demselben davon. Zurück bleiben Herr und Knecht, Oblomow und sein Diener Sachar, der den Schlaf seines Herren hütet. Erst ein Mahnbrief des Dorfschulzen zum miserablen Zustand seines, dreihundertfünfzig Seelen zählenden Gutes, entlockt Oblomow den Ausruf: "Ach du mein Gott! Das Leben macht sich fühlbar." Hinzu kommt, daß er sich eine neue Wohnung suchen muß. Erlösung davon findet er erneut im Schlaf, der ihn reichlich und seltsam mit dem Traum seiner Kindheit und Jugend beschenkt. Aus diesem Traum aber reißt ihn Stolz, seit beider Kindheit und Jugend, Oblomows Berater in Sachen der Verwaltung seines Guts als auch der Gestaltung seines Lebens. Stolz, Sohn eines deutschen Gutsverwalters in Russland sowie einer rührenden, gebildeten russischen Mutter, immer auf In- und Auslandsreisen unterwegs, will Oblomow ins St. Petersburger Gesellschaftsleben einführen, scheitert zwar, macht ihn aber mit der jungen Oljga bekannt. Die Musik , und der russische Flieder bilden den Stoff der poetischen Liebe zwischen ihr und Oblomow. Der in Oblomow aufkeimende Zweifel daran, die er in einem Brief an Oljga äußert, wird von ihr emphatisch zurückgewiesen. Es sind jedoch seine nicht gelingende Wohnungssuche, sowie das vom Gut, erst in einem Jahr zu erwartende Geld, die dem poetischen Augenblick seiner Hochzeit mit Oljga im Wege stehen. Im Angesicht dieser Oblomowerei trennt sich Oljga von Oblomow. Der poetische Teil seines Lebensideals scheitert. Der prosaische Teil jedoch findet in Agafia, der Hausfrau, bei der er zur Miete wohnt, eine sich, nach seiner heftigen Erkrankung, anbahnende innige Erfüllung. Mit ihr, die er heiratet, hat er einen Sohn. Auch Oljga, nach heftigen Zweifeln, entschließt sich, Stolz zu lieben und zu heiraten. Was nach dem Glücklichen Ende kommt, blendet Gontscharow aber nicht aus. Vielmehr beschreibt er uns den nun in der Lebensruhe sich entwickelnden beliebigen Reichtum beider "Lebensarchen". Mit Oblomovs Tod, einem von Zeit zu Zeit auf seinem Grabstein gelegten Fliederzweig und Agafia in Schwarz beendet Gontscharow seine Erzählung über das Leben des Oblomow. Nach dem Besuch einer Messe strömt die Menge auf die Straße hinaus, voran die große zusammen gewürfelte Gruppe der Bettler, die das Zeitalter der "Oblomowerei" aus sich entlässt.

Gontscharows 600 seitige wunderbare Erzählung lässt sich in einer solchen Zusammenfassung nicht erschließen. Sie muß daher in den Ästhetiken der anderen Künste, als es das literarische Werk des Dichters mit Hilfe der Vorstellungskraft des Lesers vermag, zur Erscheinung kommen. Nicht ein dialogisch für Theater-Rollenspiel konstruiertes Drehbuch vermag dem zu entsprechen. Der verbleibende Sprechtext, den alle Spieler ohne Rollenverteilung innen- und auswendig können müssen, bildet die Grundlage für ihren , auch choreografischen, Umgang im Kontinuum aller anderen Künste: Musik, Gesang, bildende Kunst, Lichtgestaltung, So werden sie, wie in einem Sandkasten Kinder mit Bagger, Förmchen, Stöcken,... "spielen", eben ein »Gesamtkunstwerk«.

Zur Premiere im April schrieb die Presse:»Das E9N...stellt aus Romanfragmenten, Musik, Gesang, Licht und viel bildender Kunst eine über 75 Minuten gleichbleibende Atmosphäre her....eine gleißende Wirklichkeit jenseits dessen, was Menschen sonst hauptsächlich umtreibt.« (FAZ)

»Ein hübscher Szenenessay.« (FNP)

»Der »Oblomow« im Gallus Theater ist sanft und leicht und 90-minütig, ...hat bizarre, aber einleuchtende Kostüme....ist kein Schnelldurchgang für Nichtleser, sondern ein poetisches Verharren an einigen Momenten.« (FR)

Schauspiel: Wilfried Fiebig, Janine Karthaus, Mario Krichbaum
Musik: Claudia Hornbach (Akkordeon), Gabrielle Zimmermann (Gesang, Mezzo)
Bühne, Objekte, Kostüme: Wilfried Fiebig
Regie/ Dramaturgie: Wilfried Fiebig
Interventionen: Helen Körte
Licht: Johannes Schmidt
Layout/ Foto: Jörg Langhorst

Karten: Voll 16,00 Euro
Karten: Erm. 12,00 Euro