Banner

Paradoxon

Ausstellung

Maciej Rusinek

»Paradoxon«

Tanzfotografien

Montag, 8.02.10 20.00 frei

Bewegungen des Körpers sind das Ausdrucksmedium des Tanzes. Die Dynamik im Tanz mutet häufig gleichermaßen elementar wie flüchtig an, versprüht Vitalität und Energie. Ganz anders verhält es sich mit Bildern, die selbst flüchtige Momente »still stehen« lassen. Ist also Tanz in Fotos zu bannen nicht per se ein »Paradoxon«? Der Fotograf Maciej Rusinek vergleicht das Gegensatzpaar Bewegung und Stillstand mit einem anderen: Wasser und Feuer. Treffen Antipoden aufeinander, löschen sie einander aus. Doch in dem Moment, in dem etwa Wasser Feuer erstickt, kommt es für den Bruchteil einer Sekunde zu einem ästhetisch äußerst reizvollen Schauspiel. Solche Augenblicke trachtet der Fotograf für die »Ewigkeit« festzuhalten und so erfahrbar zu machen. Etwas Flüchtiges, das längst vergangen ist, kann in Ruhe betrachtet werden. Die eigene Bühnenerfahrung hilft dem Fotografen, bei seinen Tanzfotografien diese besonderen Momente zu erspüren, den Auslöser im »richtigen« Moment zu drücken. Unter den Exponaten dieser Ausstellung in unserem Kunst Foyer werden Fotos von früheren Produktionen der Tanzabteilung der HfMDK und des Butoh-Tänzers Tadashi Endo zu sehen sein, während wir die neuen Produktionen von HfMDK-ZuKT und von Tadashi Endo mit dem Mamu Dance Theatre präsentieren. Sie können Tanz also zeitnah sowohl bewegt auf der Bühne als auch still im Foto erleben.

Zu dem Titel seiner Ausstellung, »Paradoxon«, schreibt Maciej Rusinek: »Theater, Tanz - das bedeutet Bewegung, Dynamik, etwas Elementares und Flüchtiges. Photographie hingegen hat etwas Ruhiges, Anhaltendes, etwas, das diese Vitalität und Dynamik aufhebt. Also scheinbar völlige Gegensätze, Phänomene, die sich gegenseitig ausschließen. Und dennoch... Als ich über dieses Paradoxon nachdachte, drängte sich mir die Ähnlichkeit auf zu einem anderen, ebenfalls völlig gegensätzlichen Wechselspiel von Elementen: Feuer und Wasser. Jedes dieser Elemente besticht mit seiner Dynamik und seinem ständigen Streben nach Veränderung. Aber zusammen, wenn sie miteinander in Verbindung treten, wird das eine zur Negation des anderen, das heißt, das eine löscht das andere aus. Die Kraft des überflutenden Wassers vernichtet die Kraft und die Schönheit des Feuers. Es gibt jedoch einen Moment, den Bruchteil einer Sekunde, in dem das Wasser, das mächtig ein verzehrendes Feuer überflutet, zu unerwarteten bildlichen Explosionen führt, eine Erscheinung von großer ästhetischer Kraft. Es dauert nicht länger als den Bruchteil einer Sekunde, dann verschwindet es wieder, mich hat aber dieses für einen so kurzen Augenblick explodierende Bild immer fasziniert und es ist mir lange im Gedächtnis geblieben. Wenn ich beim Betrachten einer Theaterdarbietung, insbesondere eines Tanztheaters, meinen Photoapparat zum Einsatz bringe, dann ist das für mich wie dieser Moment, in dem "sich das Wasser über das brennende Feuer ergießt". Ich wähle die Theatervorstellungen bewusst aus, ich weiß, wann ich auf den Auslöser meines Apparates drücken möchte, aber der Rest ist unerwartet, auch für mich überraschend. Intuitiv und ganz allgemein habe ich zwar Vermutungen, welchen Effekt ich "angehalten" habe durch die Belichtung des Films in einem bestimmten Moment, aber die endgültige Form des Bildes stellt auch für mich eine große Unbekannte, eine Überraschung dar. Erst während der Entwicklung des Films und der Bearbeitung im Labor beginnt die eigentliche "Qual", wenn entschieden und ausgewählt werden muss, welche der so spontan entstandenen Bilder ich für mich, aber natürlich im Kontext der Ausstellungen auch für andere, dauerhaft festhalten möchte. Deswegen bedeutet der erste Schritt meines Photographierens - das Festhalten, Einfrieren der Bewegung auf dem Filmmaterial - für mich nur den Beginn eines Prozesses, in dem diese Bewegung dauerhaft gebannt und für die Erinnerung in Form eines Bildes aufbewahrt wird, dessen endgültige Wirkung meist auch über meine eigene Vorstellung von ihm hinausgeht. Das Wasser, das jäh das brennende Feuer überflutet, explodiert in einem unheimlichen Bild und verschwindet. Ich hoffe, mit den "Explosionen" meines Photoapparats Bilder zu schaffen, die es vermögen, so flüchtige, und ästhetisch ebenso unheimliche Phänomene wie Theater und Tanz, zu bewahren und festzuhalten. Nicht als objektives photographisches Dokument, sondern als ein sehr subjektives Bild, das aus sich selbst heraus wirkt und auch für jene interessant sein mag, die keinen Kontakt mit der jeweiligen Theatervorstellung hatten.« (Übersetzung: Hanna Leszczynska-Können)

Maciej Rusinek, geboren 1954 in Poznan in Polen, arbeitete von 1979 bis 1986 als Schauspieler und Regieassistent beim »Theater des Achten Tages«, Poznan. Zur Zeit der Solidarnosc war er Mitherausgeber der Zeitschrift »Obserwator WLKP«. Seit 1987 lebt und arbeitet er als freier Fotojournalist und freier Fotograf in Frankfurt und hat hier 2005 sein eigenes Fotostudio eröffnet. 1992 erhält er einen Preis im Rahmen des Fotografiewettbewerbes »Leica Augenblicke« der Zeitschrift »MAX«, 1994 wird er im »Third America Photo Readers Contest« im Bereich journalistische Fotografie ausgezeichnet. Seit 1997 waren seine Fotografien in etlichen Ausstellungen in Galerien, Theatern, Kulturzentren, Ministerien u.a. in polnischen, deutschen und französischen Städten (Krakau, Poznan, Lille, Köln, Frankfurt, etc.) zu sehen. Fotografien von Maciej Rusinek befinden sich in Privatsammlungen in Deutschland, Polen, Frankreich und USA.

Die Ausstellung ist geöffnet Mo. - Fr. von 14.00 bis 18.00 Uhr und zu den Theaterveranstaltungen bis 6. März 2010