Banner

Die menschliche Stimme

Silke Simon und Silvia Leisenberg

Ensemble Aimée Rose

»Die menschliche Stimme«

von Jean Cocteau

Mittwoch,   4.11.09 20.00 Eur 15/11
Donnerstag, 5.11.09 20.00 Eur 15/11

Der Einakter »Die menschliche Stimme«, (Uraufführung 1930 in Paris an der Comédie Française) ist ursprünglich das imaginäre letzte Gespräch einer Frau mit dem Mann, der sie verlassen hat: keine Romanze, sondern der erste große psychologisch spannende Telefonmonolog des europäischen Theaters. Der Klassiker gilt als Virtuosinnentext und wurde mehrfach verfilmt (z.B. mit Anna Magnani und Ingrid Bergman), außerdem gibt es eine Opernfassung.

Im Fokus der Inszenierung des Ensembles »Aimée Rose« steht nicht das Ende einer großen Liebe, sondern das Finale der Begegnung mit ihr. Fragen stehen im Raum: »Aus welchen Gründen hat er sich der Anderen zugewandt? Lügt er nur heute? Ist seine Liebe erkaltet - oder hat er sie nie wirklich geliebt?« In der Zerrissenheit der Frau angesichts des Trennungsschmerzes offenbart sich das anarchische Potential von Liebe, das sich schier ungeniert Bahn bricht. Es gibt kein Telefon, aber brutale Einsamkeit jenseits aller Gespräche. Man kann die Facetten der Gefühle dieser Frau von Wut und Demut über Ohnmacht und Stärke verfolgen und wird auch berührt durch eigene Erinnerungen, die der Text in einer neuen Übersetzung von Helge Kaufmann hervorruft »Die menschliche Stimme« ist ein Stück mit klassischer Thematik: es lieben und leiden Menschen, manche mehr und manche weniger. In dieser Interpretation schaut sich die Liebe nach viel Lust und Sehnsucht mit großer Trauer ins Gesicht und geht weit über den Aspekt der Trennung hinaus.

Auch heute ist das Telefon eine wichtige Verbindung zwischen Liebenden, das Utensil, mit dem Beziehungen auch beendet werden: Im Zeitalter der SMS-Trennung ist das Stück selbst in der Urfassung gedanklich zeitgemäß.

Die Frankfurter Schauspielerin Silke Simon, die bei uns schon in Produktionen der Kammeroper, des E9N und des Theater Transformation zu sehen war, und Silvia Leisenberg als eine Art Alter Ego der Protagonistin, spielen diesen »Monolog«. Das Stück hatte Anfang September bei uns Premiere und wird nun noch einmal aufgenommen.

Jean Cocteau (1889 - 1963) wurde in der Nähe von Paris geboren und war Schauspieler, Bühnenbildner, Maler und Drehbuchautor. Er gilt als der große Gaukler des modernen französischen Theaters; er war ein Lebemann, bisexuell und ging neben Beziehungen zu Männern auch mit Frauen Verhältnisse ein. Bekannt sind seine lange Beziehung zu Jean Marais und die Liaison mit der russischen Prinzessin Natalia Pawlowna Paley. Trotz seiner Leistungen auf fast allen literarischen und künstlerischen Gebieten bestand der Surrealist Jean Cocteau darauf, in erster Linie ein Dichter zu sein und nannte sämtliche seiner Werke Poesie. Die deutsche Erstaufführung der »Menschlichen Stimme« 1949 in Berlin mit Klaus Kinski wurde von der englischen Militärregierung verboten.

Spiel: Silke Simon und Silvia Leisenberg
Regie: Anne Hasselberg

Silke Simon und Silvia Leisenberg