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Die asiatischen Bakchen

Premiere

Günes Theater

»Die asiatischen Bakchen«

von Euripides

Samstag, 29.8.09 20.00 Eur 15/11
Sonntag, 30.8.09 20.00 Eur 15/11

Als Euripides späteste Tragödie, die er im mazedonisches Exil verfasste, ist »Die Bakchen« das Vermächtnis des Dichters an sein athenisches Volk. Vor dem historischen Hintergrund der persisch-griechischen Kriege und erst nach Euripides Tod von dessen Sohn in Athen uraufgeführt, gilt das Stück als ein eindringlicher Aufruf zum friedlichen Zusammenleben verschiedener Kulturen. Denn die Tragödie thematisiert Grundfragen des menschlichen Zusammenlebens in zeitabhängigen gesellschaftlichen Bezügen. Zugleich geht es um die Geschichte eines schmerzhaften Krieges um kulturelle Werte und Normen.

Der fremde Gott Dionysos kommt nach Theben, die Stadt im Herrschaftsbereich seines Großvaters Kadmos, zurück. Dort regiert der strengen Regeln und Ordnung verpflichtete König Pentheus, ebenfalls ein Enkel von Kadmos, der sich dem Rausch und Verzückung verehrenden Kult des Dionysos widersetzt. Pentheus, seine Mutter Agaue und ihre Anhänger fordern den Gott auch heraus, indem sie seine göttliche Abstammung leugnen und auch indem sie das Grabmal seiner Mutter Semele, die von Zeus erst geschwängert und später vernichtet wurde, schmähen. Nachdem er Pentheus in Gestalt eines Jünglings zur Einsicht mahnte, woraufhin dieser ihn einsperren ließ, versetzt Dionysos Mutter und Sohn in einen rauschhaften Zustand, in dem Pentheus in Frauenkleidern dem Treiben der Bacchantinnen, den weiblichen Anhängerinnen des Dionysos, zuzusehen trachtet und in dem seine Mutter ihn als rasende Bacchantin zerfleischt, weil sie ihn für ein wildes Tier hält. Langsam aus dem Rausch auftauchend realisiert sie ihre Tat. Als Naturgott vereint Dionysos Antipoden in sich, ist zugleich nah und fern, anwesend und abwesend und der souveräne Meister über Schein und Sein, ein wahrhafter Theatergott also.

»Die asiatischen Bakchen« wird in drei Sprachen mit DarstellerInnen aus der Türkei, aus Deutschland und aus Frankreich inszeniert. Die Hauptrollen werden von drei türkischen DarstellerInnen gespielt. Als wandernde Priesterinnen des Dionysos stellen sie die insgesamt sieben Hauptrollen mit Masken dar. Euripides selbst hat der Tragödie drei DarstellerInnen zugedacht. Dabei kontrastieren Darstellungstechniken und Inszenierungsformen, die bereits in der Antike Anwendung fanden mit gegenwärtigen, wie beispielsweise modernen Medieninstallationen. Und wenn der Chor der Bakchen aus deutsch- und französischsprachigen Darstellerinnen, die in einem mittelöstlichen Stil in ihren jeweiligen Muttersprachen singen und entsprechend ihrer Kultur tanzen und dabei dionyische Perkussionsinstrumente und Flöten live eingesetzt werden, treffen zudem Kunstformen verschiedener Kulturen aufeinander.

Das Günes-Theater führt seit 2002 internationale Theaterprojekte durch. Das Stück »Die asiatischen Bakchen« soll eine weitere Plattform schaffen, auf der interkulturelle Kommunikation in vielen Facetten dargestellt und praktisch vorgeführt wird. Das Projekt bzw. das Stück wird im Rahmen des Großprojekts »europäisch-türkische Theaterbegegnung« durchgeführt. Nach der Premiere und weiteren Vorstellungen bei uns wird das Stück bei den Interkulturellen Theatertagen im September 2009 in Istanbul und in Metz, Strassburg und in Paris während der Veranstaltungsreihe »Jahreszeit Türkei« aufgeführt.

Das Stück ist nach »Das Testament« über Leben und Werk des anatolischen Literaten Nazim Hikmet (2002) und »Krieger« (2005) die dritte Produktion des Günes Theater an unserem Haus. Im letzten Herbst hat der Trägerverein »Orada« des Günes Theater außerdem mit uns und weiteren Kooperationspartnern die Interkulturellen Theatertage mit Konferenzen, Ausstellungen und vielfältigen, spannenden Gastspielen aus der Türkei veranstaltet.

Mit: Müjdat Albak, Eti, Sandrine Grange, Sara Nahidpour, Emeline de la Porte des Vaux, Hülya Sen, Cüneyt Sezer, Ömer Yigit, Tülay Yongaci, Gaby Zillich
Musik: Deniz Köseoglu, Babak Massali, Özgür Murat, Robert Schirmer
Bühne, Maske, Kostüme: Beate von Kitta-Kittel
Lichtdesign: Lolek Lorey
Schattenspiel: Beate von Kitta-Kittel, Birgit Schmidt
Dramaturgie: David Dilmaghani
Regie: Müjdat Albak