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Mange-moi

Les Francbadours

»Mange-moi«

Ein Theaterstück auf französisch von Natalie Papin

Dienstag, 12.5.09 19.00 Eur 10/8
Mittwoch, 13.5.09 19.00 Eur 10/8

Alia ist ein kleines Mädchen, das unter Bulimie leidet und immer Hunger hat. Sie ist dick und wird von ihren Mitschülern gehänselt. Sie entschließt sich zu fliehen und nimmt nichts mit außer ihrem Wörterbuch. Nachdem sie schon lange gelaufen ist, öffnet sich vor ihr eine Landschaft. Unter einem furchtbaren Kaugeräusch verschwindet plötzlich die Horizontlinie vor ihren Augen. Sie begreift das nicht, sie hat Hunger, sie hat Angst, sie schläft ein. Als sie aufwacht, steht vor ihr ein Lebewesen: ein Oger. Es ist jedoch ein ungewöhnlicher Oger, der sich entschieden hat, keine Kinder mehr zu fressen. Die Begegnung ist der Beginn einer gemeinsamen Initiationsreise.

»Les Franc-badours« ist eine Namensfindung aus Frank(en) oder frei(en) Troubadours. Die Gruppe setzt sich aus zehn bis vierzehnjährigen Schülern und Schülerinnen zusammen, die seit Februar 2007 gemeinsam an einem frankophonen Theaterprojekt arbeiten. Sie sind alle in den bilingualen Klassen der Textorschule in Frankfurt gewesen. Mit ihren unterschiedlichen sprachlichen Hintergründen und ihrer Deutschsprachigkeit im Alltag verkörpern die Francbadours eine Mehrsprachigkeit, die als Schritt zu einem nach Amin Maalouf »sens civique planétaire«, einem Zustand, in dem »der Mensch nicht länger genötigt ist, seine Identität pausenlos und mit allen Mitteln der Abgrenzung von Anderen zu finden, sondern in dem der einzelne Mensch zum Ort der Begegnung vielfältiger Kulturen wird und so die Möglichkeit erhält, seinen eigenen, einzigartigen Beitrag zur Welt zu leisten« verstanden werden kann. Über ein Jahr haben die Francbadours an dem Stück »Mange-moi« zum Inhalt des Textes, zu den Themen Bulimie-Magersucht, Konsum, Anders-sein, zur Körperimprovisation und - mit Hilfe der Hauptschüler und -schülerinnen von Vlado Felgar - zur Herstellung von Requisiten gearbeitet und freuen sich, ihr Ergebnis zu präsentieren.

Valérie Fauchers Inszenierung ist farbenfroh, poetisch, auf das Wesentliche reduziert und getragen von der Klangathmosphäre von Darko Rundek. Schon vor dem ersten Wort wird der Zuschauer in einem Vorspiel aus Schwarzlicht direkt in das Thema »Verschlingen, verschlungen werden« gezogen.

Valérie Faucher verläßt Frankreich, um nach Deutschland zu gehen. Seit acht Jahren unterrichtet sie in den bilingualen Klassen der Textorschule in Frankfurt, wo sie mehrere Theaterprojekte durchführte. Alle Schauspieler sind dort ihre Schüler gewesen. Während eines Praktikums mit Marcel Marceau 1995 und später mit dem Tänzer Amos Hetz wird sie sich der besonderen Bedeutung des Körpers in allen kommunikativen Situationen bewußt. Seitdem ist ihre Tätigkeit als Sprachvermittlerin untrennbar mit Körperarbeit verbunden.

Nach ihrer Ausbildung im »Centre des Arts et Techniques du Cirque« in Frankreich, ist Nathalie Papin als Schauspielerin und Regisseurin tätig, widmet sich aber zunehmend dem Schreiben. Seit mehreren Jahren arbeitet sie im Bereich des Kinder- und Jugendtheaters, in dem sie Theaterworkshops leitet. Für ihre »créations« wird sie wiederholt mit Preisen ausgezeichnet. »Mange-moi« (1999), ihr erstes Stück, wendet sich an ein breites Publikum. Kinder und Erwachsene werden berührt. Das Stück wird in Quimper unter der Regie von Dominique Lurcel uraufgeführt. In der zweiten Vorstellung am 13.5. wird die Schriftstellerin anwesend sein und es gibt die Möglichkeit zum Gespräch nach der Aufführung.

Mit: 15 Kindern und Jugendlichen
Konzept und Regie: Valérie Faucher
Musik: Darko Rundek
Videoinstallation: Anatoli Skatchkov