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Yaneura (Unterm Dach)

Deutschland Premiere

RINKÔGUN (Japan)

»Yaneura (Unterm Dach)«

von Yôji Sakate - mit deutschen Untertiteln

Freitag, 15.2.08 20.00 Eur 16/11
Samstag, 16.2.08 20.00 Eur 16/11

Die Theatergruppe RINKÔGUN wurde 1983 von dem Stückeschreiber und Regisseur Yôji Sakate gegründet. Sie hat bis heute ein beachtliches Repertoire an eigenen, neuen Stücken geschaffen, die sehr unterschiedliche soziale und politische Probleme sowohl im modernen Japan wie auch weltweit aufgreifen: u.a. die Kontroverse über die amerikanische Militärbasis auf Okinawa, das japanische Kaisersystem, Homosexualität, Entstehung und Einfluss religiöser Sekten. Dazu hat RINKÔGUN einen einzigartigen Aufführungsstil entwickelt, der sich stets einer Multimedia-Bühne im intimen Format einer Black-box bedient. In dieser einem Laboratorium ähnlichen Umgebung experimentiert man mit allerlei Kombinationen unterschiedlicher Theatertraditionen und Darbietungsformen, wobei alle Produktionen einen deutlich narrativen Charakter haben. Die Theaterkritik feiert RINKÔGUN als eine der produktivsten und politisch engagiertesten Theatergruppen Japans.

Mittlerweile hat RINKÔGUN auch international Beachtung gefunden. 1994 und 1996 war die Gruppe auf Gastspieltournee durch europäische Städte wie Wien, Frankfurt, Bratislava, Budapest, Sofia und Skopje. Zwei jahre später folgte die erste USA-Tournee, mit Aufführungen in New York, Cincinnati, New Orleans und Pensacola (Florida). 2001 gastierte man mit dem Stück "Breathless" erneut in Europa (Berlin, Leipzig, Krakow und Warschau). Die jüngste Produktion »Yaneura« (Unterm Dach), die gute Kritiken erhielt und bereits im Februar 2005 auf einer USA-Tournee gezeigt wurde, präsentiert die Gruppe nun erstmals in Paris und Frankfurt.

Das von Yôji Sakate geschriebene und inszenierte Stück besteht aus einer Sammlung von zwei Dutzend dem Anschein nach unzusammenhängender Episoden, die allesamt ein in jüngster Zeit in Japan immer größer werdendes soziales Problem aufgreifen, das mit hikikomori bezeichnet wird. Dieser Begriff (wörtl. "Rückzug") bezieht sich auf Menschen, meist Teenager oder junge Leute in den Zwanzigern, die sich selbst in ihre Zimmer zurückgezogen haben und jeden Kontakt mit der Außenwelt verweigern. Alle Szenen des Stücks spielen in einer nur zwei Meter breiten, klaustrophobisch wirkenden Kulisse, die den Maßen eines Dachbodens (yaneura) entspricht. Im fiktionalen Kontext des Stücks ist "Yaneura" aber auch der Markenname eines zeltartigen bzw. trapezförmigen und in Selbstmontage einzurichtenden "Wohnraums", der in Japan von einer nicht näher bezeichneten Firma via Internet angeboten und verkauft wird. In diesem "Wohnraum" spielen die Episoden des Stücks.

Mit Witz und Humor im Stile einer tiefschwarzen Komödie werden hier die Implikationen des hikikomori als Symptom einer sozialen Funktionsstörung im postmodernen Japan ergründet und die erhellenden Erfahrungen derer dargestellt, die aufgrund eines Mangels an "realer" Kommunikation vereinsamen und dazu gezwungen werden, ein Leben in Isolation zu führen.

Das Gastspiel ist eine Kooperation des Gallus Theaters mit dem Japanischen Kulturinstitut Köln und der Gruppe RINKÔGUN und wird gefördert von The Japan Foundation

Leitung: Yôji Sakate