Romulus der Große
15 Jahre Theater im Hier und Jetzt
Theatercompagnie Tagträumer
»Romulus der Große«
Donnerstag, 11.11.1999, 20:00
Mit einer Auswahl Ihrer insgesamt 16 Stücke feiert die Theatercompagnie Tagträumer, die schon ihre ersten Produktionen bei uns herausbrachte, ihr 15-jähriges Bestehen. Kulisse ist die Großstadt, ein Ort von Visionen, Liebe und Gewalt. Die Protagonisten sind individualistische Grenzgänger, die im Labyrinth der äußeren Eindrücke um das Erleben ihrer Träume und Sehnsüchte kämpfen. Die Zeit ist heute.
Die Gegenwart und die kritische Auseinandersetzung mit dem Zeitgeist bestimmen Thematik und ästhetische Form - die immer aufs Neue als Experiment aufgefaßt und als Wagnis verstanden wird - der Stücke. Dabei wünscht sich die Gruppe - auch als Mitglied der Kulturwerkstatt - den künstlerischen Austausch und die Kooperation mit ansässigen Initiativen und eine gemeinsame Mitgestaltung des kulturellen Klimas der Stadt. Durch die permante Arbeit in Workshops leistet sie ihren Beitrag dazu nicht nur auf der Bühne sondern auch hinter den Kulissen.
Bei der Eröffnungsveranstaltung lassen Sie sich überraschen. Dürrenmatts »Romulus der Große«, die Geschichte eines Herrschers, der gegen die Herrschaft rebelliert, ist als Auseinandersetzung mit dem Golfkrieg entstanden. Der Tod, ein immer aktuelles aber meist totgeschwiegenes Thema, begegnet uns in »Der Tod klopft / Die alte Frau« mal komisch, mal absurd und immer skurril. »Ganz der Sprache verpflichtet« - aber doch musikalisch begleitet und mit den wesentlichen Personen szenisch unterlegt, wird uns in »Ingeborg Bachmann: Nomadin« von Uta Eckhardt aus deren Leben erzählt.
Donnerstag, 11.11.:
Mit ihrer Inszenierung von 'Romulus der Große' von Dürrenmatt, kommen die Tagträumer nun noch einmal zu uns.
Während opferbereite Untertanen angesichts der angreifenden Germanen auf Befehle warten, Geschäftsleute Geld anbieten und die Familie die Vaterlandsliebe beschwört, widmet sich der letzte Kaiser des Römischen Imperiums ausschließlich und hingebungsvoll seiner Hühnerzucht. Ist er wahnsinnig geworden?
In seiner kurz nach dem 2.Weltkrieg geschriebenen Komödie spielt Dürrenmatt die zwangsläufig absurde Situation durch, die entsteht, wenn ausgerechnet das Staatsoberhaupt sich über Sinn und Unsinn seines Machterhalts Gedanken macht und eherne staatstragende Werte wie Heroismus und Patriotismus in Zweifel zieht. 'Vaterland nennt sich der Staat immer dann, wenn er sich anschickt, auf Menschenhandel auszugehen' bekennt Dürrenmatts Romulus.
»Die zeitlose Phantasie über das zur Spielwiese und zum Krämerwinkel verkommene Zentrum eines Weltreichs bleibt eine unverbindliche, aber pointierte Lektion in Sachen Politik - man kann sich straflos amüsieren und seine aktuellen Reime darauf machen.« (FAZ)
