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Eat dessert first, life is uncertain

Fotografie: Thomas Dahmen

Ausstellung

Thomas Dahmen

»Eat dessert first, life is uncertain«

Eine Situationssammlung, fotografiert und kommentiert

Montag, 24.4.06 - 20:00 frei

Es gibt Dinge, die über ihren ursprünglichen Zweck hinauswachsen. Warum jemand einen Sessel ans Meer stellt oder ein Schaufenster zunagelt, warum eine Absperrung im Asphalt versinkt oder zwei alte Schuhe irgendwo am Pflaster liegenbleiben, dafür gibt es Gründe. Irgendwer hat etwas beabsichtigt, hat sich Gedanken gemacht und Tatsachen geschaffen. Vielleicht wurde etwas aufgeräumt, abgestellt und dann abgedeckt oder gar dekoriert. Es gibt Situationen, deren Zustandekommen für den Betrachter, der zufällig vorbeikommt, nicht mehr ersichtlich sind. Übrig ist nur noch ein kurioses Ergebnis.

All diese Dinge würden in ihrem offensichtlichen Zweck steckenbleiben, wäre da nicht der Blick des Betrachters oder vielmehr eine Geisteshaltung, die die Tatsache jenseits ihrer beabsichtigten Beschaffenheit wahrzunehmen imstande ist. Jeder Situation ist ein wenig von der Freiheit zu eigen, über die wir sonst nur im Zusammenhang mit »Skulptur« reden. Absichtsvolle Arrangements können zu unbeabsichtigten Skulpturen werden. Das, was sie über ihren beabsichtigten Zweck hinauskatapultiert, erreicht uns oft als etwas Absurdes, Kitschiges, Vergebliches, Klägliches. Ein gewisses Misslingen war dabei, wenn es zu einer gelungenen »Skulptur« geführt hat. Oder etwas Unpassendes, Unbeholfenes, Vernachlässigtes.

Der Künstler als »Passant« (mehr ist er in diesem Moment nicht und würde es auch bleiben, hätte er nicht seine Antennen ausgefahren und eine Kamera in der Tasche) bemerkt, wie diese Situation ihre ursprüngliche Zwecke »en passant« zum Platzen bringen. Plötzlich entsteht Raum. Lebensnotwendiger Raum für Geschichten, Anmerkungen, für das Spiel des Geistes.

Die Ausstellung ist geöffnet Mo. - Fr. von 14.00 bis 18.00 Uhr und zu den Theaterveranstaltungen bis 2. Juni 2006.