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Judith & Holofernes

Barbara Englert, Eckhard Ischebeck Barbara Englert, Eckhard Ischebeck

theater be

»Judith & Holofernes«

nach Friedrich Hebbel

Donnerstag, 26.1.06 20.00 Eur 13/10
Freitag,    27.1.06 20.00 Eur 13/10
Samstag,    28.1.06 20.00 Eur 13/10
Sonntag,    29.1.06 20.00 Eur 13/10

In einer Zeit weit vor unserer Zeit oder in ferner Zukunft: Der Planet Bethulia wird von einer fremden Macht besetzt. In einem der Wohntürme finden sich ein Mann und eine Frau zusammen, die das Ende der Unruhen und der Ungewissheit hier abwarten wollen. Er entwickelt und gestaltet Spiele für die »Holos« in den Wohnzimmern und sucht nach geeigneten Geschichten. Sie erzählt ihm eine sehr spannende aus lange vergangenen Zeiten, die mehr mit ihnen selbst zu tun hat und realer ist, als er zunächst ahnt:

Die Stadt Bethulien wird vom Heer des assyrischen Königs Nebukadnezar belagert. Es herrschen Hunger und Durst. Der Feldherr Holofernes hat geschworen, die dort lebende Bevölkerung zu vernichten. Verzweifelt hofft das Volk auf Rettung. Ganz allein macht sich eine Frau, die schöne Judith auf, dem anmaßenden Holofernes gegenüber zu treten und ihm Einhalt zu gebieten. Ihre Waffen sind ihre Menschlichkeit, ihre List, ihre gefährliche Schönheit und schließlich das eigene Schwert des Tyrannen. Denn er fordert sie immer weiter heraus, bis sie, nachdem er sie vergewaltigt hat, nun aus privatem Motiv den Tyrannenmord begeht, den sie zuvor mit politischer Zielsetzung geplant hat. Ihre Tat wird auf eine Weise politisch wirksam, wie sie es vor sich selbst nicht mehr verantworten kann. Dabei ist Holofernes der Mann und der Held, den sie sich ersehnt hat und den sie vielleicht lieben könnte. Sie hat gleichzeitig auch ihr eigenes Leben zerstört.

Der Dichter Friedrich Hebbel, dessen Stück »Judith« 1840 uraufgeführt wurde, zeigt sich hier als herausragender Dramaturg und Dialogschreiber. Kühl erfasst er die Abgründe der menschlichen Seele und legt sie gnadenlos offen.

Die Darstellung der Judith hat sich über die Jahrhunderte stark verändert. Aus der biblischen Gestalt der von Gott gesandten Erlöserin wird die kluge Schriftgelehrte, die politische, erlittenes Unrecht rächende Täterin, die schöne, verteufelte Mörderin aus selbstsüchtigen Motiven, die sexuell haltlose, Angst auslösende Frau. Heute lebt Judith in dem Muster »Frau mit der Waffe« oder »Frau, die tötet« in der Trivialkunst und -literatur fort, zum Beispiel als Lara Croft. Diesem veränderten Bild folgen parallel zum Bühnengeschehen Film- und Tonmontagen.

Für die Inszenierung wurde die Spielhandlung um mehr als eine Stunde gekürzt. Eine in der Zukunft spielende Rahmenhandlung ermöglicht Brechungen und macht aktuelle Bezüge realisierbar, ohne das Original des Dichters zu beschädigen.

Zur Premiere Anfang Dezember schrieb die OP: »Englert tut in diesem von Jutta Kaußen inszenierten Abend das, was sie so virtuos kann: Neben der Judith schlüpft sie in eine große Zahl von Nebenrollen, skizziert mittels Körpersprache und Stimmwandel unterschiedliche Haltungen ihrer Figuren...Es spricht für die Souveränität Ischebecks, dass er ein Gegengewicht zu setzen weiß.«

Judith..»eine abgründig schillernde Rolle für die brillante Schauspielerin Barbara Englert.«(FAZ)

Mit: Barbara Englert u. Eckhard Ischebeck
Text und Regie: Jutta Kaußen
Film- und Tonmontage: Melanie Gärtner